Urlaub für die Soldaten im Einsatz

Im Kampf gegen das Coronavirus leisten inzwischen 4900 Armeeangehörige Assistenzdienst. Tatsächlich im Einsatz sind derzeit nur 1300. «Warten ist nicht sehr sexy», sagte Brigadier Raynald Droz am Samstag vor den Bundeshausmedien. Es gehöre aber zur Mission. Diese dauert vorerst bis zum 30. Juni.

Dafür hatte Droz eine gute Nachricht für die Armeeangehörigen: Seit 1. April werden in begründeten Fällen individuelle Urlaube gewährt. Zudem erhalten die Soldaten ab Mitte April ungefähr alle zwei Wochen zwei Tage Urlaub, «falls es die Situation erlaubt», präzisierte Droz.

Das soll den Druck auf die Armeeangehörigen etwas lindern.

5000 Zivilschützer im Einsatz

In Genf unterstützen rund 200 Angehörige des Zivilschutzes über das Wochenende die Polizei bei der Durchsetzung der Vorgaben des BAG in öffentlichen Parks.

Insgesamt sind im Moment landesweit rund 5000 Zivilschützer im Einsatz. Wie Christoph Flury, Vizedirektor des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz VBS, am Samstag ausführte, ist die Mehrheit der Zivilschützer in der Romandie und im Tessin tätig. Von den 2900 in der Westschweiz im Einsatz stehenden Personen sind allein im Kanton Waadt 1200 beschäftigt.

Die meisten Zivilschützer unterstützen das Gesundheitswesen. Dazu kommen Einsätze im Transport- und Logistikbereich.

Explosion der Kurzarbeitsgesuche

Die Coronakrise führt zu einer Explosion der Kurzarbeitsgesuche: Bis Freitagabend wurde für 1,3 Millionen Angestellte Kurzarbeit angemeldet.

Das entspricht laut der Staatssekretärin für Wirtschaft, Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch einem Viertel der Beschäftigten in der Schweiz. Viele Betriebe würden nicht ohne Schaden aus der Krise kommen. Besonders dramatisch sei die Situation im Tessin, wo derzeit statt 4 bis 5 Kurzarbeitsgesuche deren 8500 eingereicht würden, pro Woche.

Grosse Sorgen machten sich laut Ineichen-Fleisch auch die Tourismusdirektoren. Viele befürchteten, dass der Tourismus nach der Krise viel länger brauche, um sich zu erholen.

435 Patienten werden künstlich beatmet

Der Höhepunkt der Epidemie sei noch nicht erreicht, sagte Daniel Koch, Delegierter des BAG für Covid-19. Für eine Lockerung der Massnahmen sei es viel zu früh.

Laut Koch müssen inzwischen 435 Patientinnen und Patienten künstlich beatmet werden. Er erinnerte vor den Bundeshausmedien daran, dass die Massnahmen zur Bewältigung der Krise darauf abzielten, die Kurve der Ansteckungen flach zu halten. Zugleich gelte es, die Risikogruppen zu schützen.

Die Altersspanne der verstorbenen Personen betrug 32 bis 101 Jahre. Laut Koch sind nur 6 Prozent von ihnen unter 65 Jahre alt, das mittlere Alter lag bei 83 Jahren.

20'300 registrierte Coronavirus-Fälle

Die Zahl der positiven Corona-Tests hat in der Schweiz seit Freitag erneut um rund 1000 zugenommen. Gemäss den Zahlen des Bundesamts für Gesundheit BAG gibt es inzwischen rund 20'300 registrierte Fälle in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein.

540 Menschen seien im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben. Das sind 56 mehr als das BAG am Freitag gemeldet hat.

Bei den Toten waren laut BAG 64 Prozent Männer. Die Altersspanne der Verstorbenen betrug 32 bis 101 Jahre. 97 Prozent der Toten litten zuvor an mindestens einer Vorerkrankung. Bislang seien mehr als 150'000 Tests durchgeführt worden.

Menschen missachten Corona-Anweisungen

Im Kanton St. Gallen ist es am Freitag zu zahlreichen Verstössen gegen Behördenanweisungen wegen der Coronavirus-Pandemie gekommen.

Ansammlungen von mehr als fünf Personen sind verboten. Die Polizei intervenierte bei Kontrollen in 39 Fällen, weil es zu grösseren Ansammlungen gekommen war. So hätten sich Jugendliche und junge Erwachsene etwa auf dem Gelände von Schulhäusern oder an öffentlichen Feuerstellen aufgehalten, teilte die Kantonspolizei mit. Oft hätten auch Kinder in zu grossen Gruppen gespielt.

Die Polizei appellierte an die Bevölkerung, die geltenden Regeln einzuhalten. Gemäss diesen sollen die Menschen generell zuhause bleiben.

95'000 für Erwerbsersatz angemeldet

Die AHV-Ausgleichskassen haben bisher über 95'000 Anmeldungen für eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung erhalten. Dies zeigen Zahlen der Konferenz der Kantonalen Ausgleichskassen.

Damit sind seit letzter Woche 25'000 Gesuche dazu gekommen. Rund ein Viertel aller Selbstständigerwerbenden hat sich somit für eine Erwerbsersatzentschädigung angemeldet.

Keine Entschädigung erhalten Selbstständige, die zwar finanziell unter den Massnahmen des Bundes leiden, deren Arbeit aber nicht verboten wurde. Der Bundesrat kündigte aber an, auch für diese Personen eine Lösung zu prüfen.

Verändertes Cannabis birgt Gefahren

Synthetisch veränderte Cannabisprodukte sind seit einigen Monaten vermehrt in der Schweiz im Umlauf. Das sagt das Forensische Institut in Zürich.

In Zeiten der Corona-Epidemie decken sich viele Konsumenten bei Verkäufern ein, die sie nicht kennen. Besonders gefährlich sind chemisch aufgepeppte Cannabisprodukte wegen der teilweise schwerwiegenden Nebenwirkungen, sagt Domenic Schnotz, Leiter der Zürcher Fachstelle zur Prävention des Suchtmittelmissbrauchs. «Im Extremfall kann es zum Tod führen.» Herzinfarkte, eine verlangsamte Atmung sowie Krampfanfälle seien möglich.

Deshalb rät Schnoz allen Cannabis-Konsumenten zu besonderer Vorsicht.